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Ultimative Fernseherlebnisse

Freie LCD-TVs für alle, bitte! Damit der Mob zu Hause bleibt…

Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist so gut wie schon lange nicht mehr. Und vielleicht hätten sie verdient, Weltmeister zu werden. Wäre da nur nicht dieser unerträgliche Mob. Silversterknaller, Flaggen überall, „Schland“-Chöre und den Leuten, die in den Gegenden um die Public-Viewing-Gegenden wohnen in den Hauseingang urinieren. So sieht der Alltag aus, beziehungsweise der Alltag der Ausnahme. Wenn Deutschland spielt. Und wie man es von den Deutschen kennt, kann man auch nach dem Verhalten in Ausnahmesituationen seine Uhr stellen. Der Patriotismus (letztlich auch nur ein Euphemismus für Nationalismus) ist in jedem Land unterschiedlich strukturiert. Und doch ist die Bekenntnis zu einem Staat immer mit der Ausgrenzung von Anderem verbunden (wie das Bekenntnis zu überhaupt etwas, denn ein Gegenstand kann ja nur mit sich selbst identisch sein, weil er alles andere nicht ist). Und das Tragen der Nationalfarben ist letztlich nichts anderes als ein nationalistisches Bekenntnis zum Staat. Da kann man noch so oft behaupten, es gehe nur um Fußball – die Nationalflagge ist die Flagge eines Staates, nicht einer Mannschaft. Fußball ist eine hochemotionale Angelegenheit, und Fanstrukturen haben häufig protofaschistische Elemente, indem sich eine Masse mit etwas und einander identifiziert und der Anhänger den sportlichen Gegners des Identifikationsobjektes leicht zum Gegenstand von Spott und Hass wird. Was im Bundesligaalltag bedenklich ist, ist im Kontext mit der Nationalmannschaft ernstlich widerlich. Denn gerade die Deutschen sollten wissen, wie gefährlich das Abfeiern der „Nation“ ist. Und wenn da jemand behauptet, es sei nicht politisch motiviert, wenn man sich Schwarzrotsenf-Schminke ins Gesicht schmiert, dann umso schlimmer: Identifikation bis zur freiwilligen Selbstentstellung und Ressentiments dem Gegner gegenüber (die vielleicht manch einer nicht zugibt, doch natürlich ist der Blick aufs Spielgeschehen weit davon entfernt, objektiv zu sein, wenn man sich so stark mit der Mannschaft identifiziert), der doch eigentlich nur der sportliche Gegner von elf Jungs ist, die man nicht einmal persönlich kennt und die mit einem weniger verbindet als mit der in den USA wohnhaften angeheirateten Tante aus Brasilien – das ist höchst bedenklicher Nationalismus.

„Aber die anderen dürfen doch auch“

Nö. Eigentlich nicht. Streng genommen. Aber natürlich gibt es unterschiedliche Ausformungen des Patriotismus; jener der USA ist ja strukturell eigentlich ein integrativer, auch wenn es da mittlerweile leider auch andere Strömungen gibt, aber der amerikanische Patriotismus – wie auch der französische, also jener der ersten Republik überhaupt – ist ein freiwilliges Bekenntnis zu einer heterogen strukturierten Nation, die keine Nation ist, sondern ein freiwilliger Zusammenschluss von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Im Gegensatz zum deutschen also kein völkischer Nationsbegriff. Wer die Flagge eines „Volkes“ verherrlicht, und dann auch noch des deutschen, das beispielloses Unheil über die Welt gebracht hat (und wer sich zum deutschen „Volk“ bekennt, rede sich da um Gottes willen nicht mit dem Argument der Verjährung heraus, das funktioniert rein logisch schon gar nicht), der tue dies bitte zu Hause. Man verteile doch bitte freie LCD-Fernseher für die Massen, wenn sie dann daheim bleiben und niemanden mit ihrem Deutschlandwahn behelligen. Der kann einem nämlich auch ganz schön den Spaß an der ganz vorzüglich aufspielenden DFB-Elf nehmen. Die Jungs unter Löw spielen nämlich derart gut, dass sie den Weltmeistertitel wahrlich verdienen. Bloß wäre es schade, wenn der tumbe Deutschlandmob etwas zu feiern bekäme. Und da kann man die sportliche Niederlage von elf Jungs, die man nicht kennt, dem Volkswahn doch vorziehen. Trügen die Leute wenigstens bloß DFB-Trikots – das wäre eine dezidierte Fußballgeste. Aber so wie die Dinge stehen: verbiete man doch lieber jedwedes Nationalflaggengeschwenke beim Public Viewing als die armen Vuvuzelas.

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