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Ultimative Fernseherlebnisse

Public Viewing hierzulande und anderswo

So richtig hat sich das Public Viewing in Deutschland ja zur WM im eigenen Land durchgesetzt, was ja eigentlich fast schon ein bisschen kurios ist, waren doch die Stadien so nah wie bei keiner anderen WM seit 1974.

Aber da gab es ja auch noch die Sache mit der nicht minder kuriosen Ticketpolitik der FIFA, die es nicht unbedingt einfacher machte, an Karten zu kommen. Und dann gibt es natürlich noch einen weiteren Faktor: der in ungekannter Form auftretende debile und doch fast flächendeckende Patriotismus. Es war schon schaurig mit anzusehen: die Fahnen an den Autos und aus den Fenstern, Menschen, die sich nicht dafür zu schade waren, sich mit Schminke die Nationalfarben ins Gesicht zu schmieren und dann auch noch ausschließende Parolen zu skandieren wie „wer nicht hüpft, der ist kein Deutscher“. Himmel! Kinder, es geht um Fußball! Angesichts des Umstandes, dass die Deutschen schon unter Beweis gestellt haben, wie schlecht sie mit der Feier der eigenen Flagge, dem konfrontativen Nationalismus (und nichts anderes ist das letztlich bei Fußballspielen, bei denen man die Anhänger der unterschiedlichen Mannschaften and ihren Vaterlandsfarben unterscheiden kann) und dem geilen Massengefühl umgehen können, ist das alles schon gespenstisch. Es gibt so viele Dinge, die Identität stiften können, und die meisten davon erscheinen bei näherer Betrachtung fragwürdig. Aber das eigene Land abzufeiern, ist an Blödsinn kaum zu übertreffen. Hat ein bayrischer Bauer nicht mit einem österreichischen Bauern viel mehr gemein als mit einem flensburger Richter? Klar, Nationalismus ist immer dumm und doch in verschiedenen Ländern jeweils unterschiedlich strukturiert. In Deutschland dröhnt er, uriniert in Hauseingänge und ist gespentisch inhaltsleer. Die „Nation“ wird um ihrer selbst willen gefeiert, während sich Franzosen auf ihre freiheitliche Geschichte berufen können und der US-amerikanische Patriotismus der alten Schule viel stärker von einem individuellen Freiheits- und Unabhängigkeitsgedanken beeinflusst ist. Blöd bleibt Nationalismus immer, aber die Deutschen haben besonders schlechte Argumente und gehen als Fußballpatridioten durch ihr tumb-grölendes Auftreten besonders auf den Zeiger.

 Schonung gibt’s zu Hause

Aber es hilft ja nichts: seit der letzten WM gehört public viewing für viele dazu. Zum Glück hat man daraus noch keine Zwangsveranstaltung gemacht. In südlicheren Ländern guckt man ja viel selbstverständlicher öffentlich: im Kaffee und im Restaurant steht selbstverständlich ein TV-Gerät. Und aufs Feiern versteht man sich da auch besser: man feiert ausgelassener, ohne so leicht zum grölenden Mob zu werden. Aber natürlich ist das auch schon wieder eine unzulässige Verallgemeinerung und bloß eine beobachtbare Tendenz. Angenehmer ist es doch ohnehin zumeist, daheim zu gucken. Oder bei Freunden. Da behandelt einen auch niemand wie einen Verbrecher, wenn man eigene Getränke dabei hat, auf einem Raum, der für gewöhnlich öffentlich ist. Und niemand nervt, indem er einem dubiose Parolen ins Ohr schreit. Zuhause kann man sich darauf konzentrieren, was man will: Fußball gucken. Ohne daraus ein „Event“ machen zu müssen.

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